Meine persönlichen Trainingsgrundsätze – Teil 2

Mein zweiter Grundsatz kann befreiend sein, wenn man sich oft unter Leistungsdruck setzt und die Lockerheit beim Wettkampf verloren geht:

„Die grundlegende Motivation muss von innen kommen!“

Jeder kennt es – der gute Vorsatz an Silvester, im nächsten Jahr endlich mehr für den Körper zu tun, hält für eine Woche und wird dann auf´s nächste Jahr verschoben. Meist mit der Begründung „keine Zeit“. Ich habe meine eigene Philosophie, woran das liegt. Falsche Gewichtung der Motivation!
Damit wir als Mensch überhaupt eine Aktivität starten, bedarf es einer Motivation – unser Körper ist ein sehr ökonomisches System. In der Steinzeit war das ziemlich einfach: Ich habe Hunger, also gehe ich jagen oder sammeln. Oder Säbelzahntiger kommt, ich muss rennen.
Heute sieht die ganze Situation völlig anders aus. Zunächst MUSS ich mich als erwachsener Mensch kaum noch übermäßig oder gar schnell bewegen. Die innere Motivation ist also tief versteckt. Und außerdem gibt es zu viele äußere Einflüsse, die unser Handeln beeinflussen und uns immer passiver werden lassen. Das führt in der Alltagsroutine sogar so weit, dass wir gar nicht mehr wissen, warum wir einige Dinge tun. Schuld ist nicht zuletzt unsere konsumgesteuerte Gesellschaft.

Aber: Wenn ich etwas dauerhaft machen möchte, muss ich entweder Nutzen daraus ziehen oder Spaß daran haben. Ganz für mich allein. Glücklich im Hier und Jetzt. Als Kind ist das selbstverständlich, als Erwachsener ist uns diese Fähigkeit fast abhanden gekommen. Alles muss zweckgebunden sein. Das Schöne am Sport an sich ist, dass er keinen echten Zweck hat. Er ist dazu da, Spaß zu haben. Spaß an der Bewegung, Spaß am Ausprobieren, Spaß am Herumtoben. Er bietet uns die Möglichkeit, unserem genetisch verankerten Bewegungsdrang nachzugehen. Wer das als Erwachsener wiederentdeckt, hat keine Motivationsprobleme mehr.

Leider steht bei den meisten Menschen die extrinsische Motivation im Vordergrund. Zum Beispiel „Ich gehe joggen, weil ich abnehmen muss, damit ich im Sommer am Strand eine gute Figur mache“. Was passiert hier? Entweder funktioniert der Plan – dann höre ich im Sommer mit Joggen auf und stelle Weihnachten wieder fest, dass ich schon wieder Hüftringe habe. Oder es geht nur schleppend voran, dann gebe ich sogar vorher auf. Das funktioniert nicht einmal, wenn der Körper schon klare gesundheitliche Warnsignale sendet.

Weitsprungtraining in den Dünen auf Amrum

Natürlich habe auch ich Ziele wie Meisterschaften, auf die ich durch gezieltes Training hinarbeite. Aber diese äußere Motivation darf die innere nie so weit in den Schatten stellen, dass ich nach einem Misslingen des Plans in ein tiefes Loch falle. Im Grunde meines Herzens betreibe ich diesen Sport aus Leidenschaft. Wer mich im Sommer heimlich im Garten beobachtet, würde mich wahrscheinlich für verrückt halten. Dort probiere ich manchmal einfach für mich allein neue Bewegungsmuster aus, übe neue Stretch-Flows oder arbeite an meinen Handstandfähigkeiten (was manchmal wahrscheinlich sehr lächerlich aussieht…). Mit viel Abwechslung beim Training versuche ich meinen Athleten diesen Spaß ebenfalls näher zu bringen und zu erhalten.

Daher mein Tipp an alle, die sich sportlich betätigen wollen und denen die Motivation dazu fehlt oder die mit der (äußeren) Motivation zu kämpfen haben: Fangt langsam an, versucht euch bei eurer Tätigkeit mal voll und ganz auf den Körper zu konzentrieren und zu spüren, was die Bewegung mit euch macht und wie sich Bewegungen anfühlen. Denn genau dafür ist unser Körper gemacht. Es muss nicht immer nur Joggen sein – im Wald einfach mal über ein paar umgekippte Bäume springen oder klettern. Und genießt nach dem Sport bewusst das Gefühl, ausgepowert und kaputt zu sein – und belohnt Euch dafür! Wenn ihr hierbei Spaß und Freude empfindet, könnt ihr auch auf die Waage gehen und euch den lezten Kick für die Motivation von außen holen.

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