Meine persönlichen Trainingsgrundsätze – Teil 1

Jeder Trainer sollte sie unabhängig von allen Schulungen oder Ausbildungen haben: Persönliche Prinzipien und Wertevorstellungen beim Training oder Coaching, an denen er seine Vorgehensweise ausrichtet.

Ich fange heute mal mit meinem wichtigsten, aber eigentlich auch einfachsten Grundsatz an:

„Schade niemals bewusst deinem Körper!“

So brutal und schlimm auch manche Übungen oder Trainings bei uns aussehen mögen: Der Körper und seine Gesundheit sind das allerwichtigste – und je älter ich werde, desto mehr merke ich das auch 😉 Ich muss ihn so gut wie möglich vorbereiten und schützen, weil er mein Mittel zur Bewegung ist und Sport überhaupt erst möglich macht. Allerdings ist das ein so einfacher Grundsatz, dass wir ihn im Alltag meist völlig vergessen und als eine Selbstverständlichkeit annehmen. Schwierig wird es vor allem, wenn man besondere Leistungen erbringen möchte. Man muss an seine Grenzen gehen und diese Grenzen auch immer wieder herausfordern. Sie sind keine statischen Linien – je nach Leistungsstand oder Tagesform bewegen sie sich nach oben oder unten. Nur wenn man weiß, wie es sich kurz vorm Kotzen anfühlt, kann man beim nächsten Mal das Überschreiten der Grenze vermeiden und doch sehr nahe am Limit bleiben. Denn dort entsteht die Leistungsentwicklung – ein sehr kleiner Bereich, den jeder selbst mit viel Fingerspitzengefühl ausloten muss.

Allerdings machen es Hau-drauf-Parolen der Fitness-Industrie und zahlreiche YouTube-Videos nicht gerade einfacher. „The last rep is the most important“ oder „Fuck restdays!“ – völlig bescheuert und gefährlich! Wenn mein Körper beim vorletzten Lauf bereits im roten Bereich ist, ist das Training vorbei. Punkt. Das Training bis zum Umfallen ist dumm. Wenn im Training bei uns von Zeit zu Zeit mal solche Motivationsparolen kommen, dann eher mit spaßigem Unterton…Training sollte nie martialisch sein. Dann kommt noch erschwerend hinzu, dass Regeneration scheinbar kaum noch eine Rolle spielt.

Ich bin sehr gespannt, wie viele Menschen in den kommenden Jahren unter Überlastungsschäden durch die neuen Fitness-Hypes leiden werden. Man muss sich das einmal vor Augen führen: Da machen Otto-Normal-Verbraucher nach ein paar Wochen bereits komplexe Gewichtheber-Übungen, für dessen Technik Spezialisten bereits Jahre benötigen. Unverantwortlich!

Es liegt ein schmaler Grat zwischen „ich will etwas beweisen“ und „ich will persönliche Bestleistung bringen“. Zuviel Ego beim Training kann auf Dauer schaden. Also beim Training und im Wettkampf immer darauf achten, dass diese feine Grenze nicht oder möglichst selten überschritten wird!
In der Praxis sieht das bei uns so aus, dass wir uns an neue Trainingsinhalte langsam und je nach persönlicher körperlicher Voraussetzung herantasten. Keiner wird hier zu einem Fosbury-Flop gezwungen, wenn ihm dazu noch die Grundlagen fehlen. Der einzige „Hau-drauf-Spruch“, der wirklich zutrifft, ist „No pain, no gain“ – an die Grenzen gehen tut immer weh.

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